Zucht und Haltung des Westaustralischen Banks-Rabenkakadu
-- Ein Erfahrungsbericht --

(Calyptorhynchus banksii naso)

Text und Fotos von Craig Livingstone

Mein erstes Paar Rotschwanz-Raben- kakadus kaufte ich in 1993 von meinem guten Freund Gordon Dosser, sie waren von der Unterart Mathews-Rotschwanz-Rabenkakadu (C.b. samueli). Zu dieser Zeit hatte ich auch ein Paar Carnabys Weißohr-Rabenkakadus (Calyptorhynchus latirostris) und zwei Paare Gelbohr-Rabenkakadus (Calyptorhynchus funereus). Ich lebe in Wangaratta, Victoria und Gordon lebt in Benalla (auch in Victoria), somit sind es zwischen uns nur 20 Autominuten. Um so viel wie möglich zu lernen, habe ich ihn, so oft ich konnte, besucht. Den meisten Leuten, die Gordon kennen, ist bekannt, dass er ein großes Wissen über Vögel hat, da er über die Jahre sehr viele verschiedene Arten gehalten und gezüchtet hat. Irgendwann bemerkte ich bei einem meiner Besuche ein Paar Westaustralische Banks-Rabenkakadus. Ich war so sehr von den markanten und beeindruckenden Farben der Hennen und ihren riesigen Schnäbel beeindruckt, dass ich mir sagte „eines Tages möchte ich ein Paar haben".

Mir bot sich die Gelegenheit einen Zooladen zu kaufen, was ich nach reiflicher Überlegung auch tat. Also beschloss ich, alle meine eigenen Vögel zu verkaufen, um eine Pause zu haben und mich voll und ganz auf den Zooladen konzentrieren zu können. Nach 2 Jahren hörte ich von einem Mann in den Atherton Tablelands in Queensland, der ein paar reinrassige Rabenkakadus verkaufte, und nachdem ich mit ihm gesprochen hatte und viele Fotos bekommen hatte, beschloss ich, ein Paar (18 Monate alte) Vögel von ihm zu kaufen. Als sie ankamen war ich sehr aufgeregt, sie machten den Eindruck als seien sie bereits verpaart, der eine hatte einen dunklen, der andere einen hellen Schnabel. Ich rief Gordon an und er kam rüber und nach dem ersten Blick sagte er: „da hast du zwei schöne Hähne"! Zwei Hähne? Das war keine gute Lösung, also rief ich schnell den Züchter an – er sagte „kein Problem, schick mir einen zurück und ich schicke dir einen anderen". Gesagt – getan, und sie war ein wundervoller Vogel.

Ich finde, im Vergleich zu anderen Rabenkakadus haben Nasos (die Westaustralier) – und das ist nur meine persönliche Meinung – kürzere Zehen, ihre Flügel berühren fast die Spitze ihres Schwanzes und sie sind ein wenig kleinere Vögel mit einer schönen, eher abgerundeten Haube.

Wenn ich sie füttere, biete ich ihnen einen kleinen Papageien-Mix von guter Qualität an, dem ich noch 25% mehr gestreifte Sonnenblumenkörner zugebe. Sie scheinen die Auswahl an verschiedenen Saaten zu mögen. Sie bekommen auch Mandeln, Erbsen, Maiskörner und -kolben, Erdnüsse, Karotten, Brokkoli und Rüben. Sie lieben auch in (ein wenig) angerührtem Milch eingeweichtes 7-Korn-Brot mit vorgequollenen Saaten. Das füttere ich übers ganze Jahr hinweg und natürlich gebe ich ihnen auch alle verschiedenen Sorten an Eukalyptuszweigen und Nüssen – ganz besonders lieben sie Marri-Nüsse. Sie bekommen auch Mariendisteln und sie lieben es, samenhaltige Gräser und Unkräuter zu zerkauen, die ich mit Wurzeln zupfe, an denen ich ein wenig Erde lasse.

Ihre Brutstämme sind circa 80cm bis 120cm tief mit einem Innendurchmesser von 30-45cm, und jedes Jahr tausche ich den Inhalt der Stämme aus, ich verwende Holzchips von einer örtlichen Baummulch Firma. Auch hier gebe ihnen nur gehäckselte Eukalyptusbäume. Das bietet den Hennen Beschäftigung, denn sie haben dann etwas zum nagen und kauen im Nest, da die Stücke recht groß sind.

Nasos sind sehr freundliche und familienorientierte Vögel, sowohl untereinander als auch mit anderen Arten. Ich halte auch Rotkappensittiche, Gelbwangenrosellas, Weißohr-Rabenkakadus (beide Arten, Carnabys und Baudins), Strohsittiche und 28 andere Papageien mit ihnen und hatte noch nie ein
Problem. Allerdings bin ich gerade umgezogen und habe größere Volieren gebaut. Bis vor kurzem hatte ich 3 Paare Nasos zusammen in einer Voliere und aus irgendeinem Grund ging ein Hahn einen anderen an. Dies ging so weit, dass sich der drangsalierte Hahn in einem Brutstamm versteckte. Also musste ich diesen tyrannischen Hahn rausnehmen – das ist das einzige Mal, dass ich ein Problem mit Aggression bei diesen Vögeln hatte.

Mein guter Freund Dave Patterson, der mit seiner Frau Deidre in Nannup W.A. lebt, hat mir allerdings mal eine Geschichte von einer bösartigen Henne, die sie hatten, erzählt. Diese hat eine andere Henne getötet, was aber sehr selten ist. Meines Erachtens nach sind sie grundsätzlich sehr sanftmütige und liebevolle Vögel, die immer glücklich sind mit einem zusammen sein zu dürfen. Ich halte jetzt 8 Paare plus Jungvögel, die immer verkauft werden, allerdings hasse ich es, sie zu verkaufen. Ich hänge einfach zu sehr an ihnen, aber natürlich kann man nicht alle Nachzuchten behalten; letztes Jahr habe ich 9 Nasos aufgezogen.

Die meisten meiner erwachsenen Vögel kommen aus West Australien mit amtlichen Papieren (vom DEC - Department of Environment and Conservation), die bestätigen, dass es Westaustralische Banks-Rabenkakadus sind. Einige meiner anderen Paare stammen von Rabenkakadus aus Jamarri, W.A. ab - dies ist eine Auffangstation für Raben- kakadus, die meine Freunde Dave und Deidre Patterson leiten. Ich hatte das Vergnügen dort hinzufahren und muss sagen, ein Besuch lohnt sich wirklich. Sie kümmern sich um eigentlich alle Arten schwarzer Kakadus, die verletzt sind und haben die Erlaubnis mit den Vögeln zu züchten, die nicht mehr in die Freiheit entlassen werden können. Für jedes einzelne Küken bekommen sie rechtsgültige amtliche Papiere und so ergab es sich, dass ich eine 100% reine Blutlinie dieser Schönheiten bekam.

Banks-Rabenkakadus sind in der Wildnis durch die kontinuierliche Abholzung der alteingewachsenen Waldbestände kritisch gefährdet. Viele dieser alten großen Bäume werden lediglich zu Holzspänen verarbeitet, einige zu Möbeln und wiederum andere werden einfach zum Verrotten liegen gelassen.

Diese Vögel leben eigentlich im Südwesten von West-Australien und ihre Hauptnahrungsquelle sind Marri, Karri und Jarrah Nüsse (von Eukalyptusgewächsen). Im Inneren der Jarrah Nüsse sind kleine pfefferartige Stücke, die sie lieben und sie sind verrückt nach Snottygobble (Persoonia longifolia), einer kleinen runden und weichen nussähnlichen australischen Buschfrucht, die auch bei den Aborigine als Lebensmittel Verwendung findet.

In der Paarungs- und Brutzeit fressen sie tendenziell eher die größere Marri Nuss, meiner Vermutung nach, eine bessere Nahrungsquelle zum Füttern der Jungen. Die Brutsaison meiner Nasos (Banks) fängt typischerweise so Mitte bis Ende März an und geht bis September oder Oktober. Jedes Paar ist anders; meine erste (alte) Henne legt immer schon bis spätestens 15. März eines jeden Jahres. Eine meiner Hennen legt ihr Ei immer nur auf den Boden, ich habe versucht einen 90cm tiefen Brutstamm zu zwei Drittel mit Mulch zu füllen, aber sie geht noch immer nicht hinein. Also habe ich einen etwa 20 cm tiefen Stamm auf die Erde gelegt, in den sie hineingeht und sich für die Eiablage vorbereitet, aber dann in der letzten Minute springt sie raus, macht eine kleine Mulde in die Erde, legt dort ihr Ei hinein, brütet darin und zieht dort ihr Junges auf – da soll mal einer schlau draus werden, ich werde es wohl nicht!

 

2.ter Teil in der nächsten Ausgabe.

Übersetzt von Eleonore Giehl