„Du hast doch nen Knall!" Diesen Spruch bekomme ich in letzter Zeit immer öfter zu hören …..! 

Mag sein, dass es ein Stückweit zutrifft, aber meiner Meinung nach nur aus der Sicht eines Menschen, der meine Interessen nicht in dem Maße verfolgt, wie ich tue. Ich finde es fantastisch, mich einfach nur bequem in einem Stuhl zurück zu lehnen und diesen wundervoll anmutenden Geschöpfen zuzuschauen.

Wie geschickt Sie eine Maccadamia Nuss öffnen und sie genussvoll verspeisen. Wie sie mit größtem Interesse Geräusche nachahmen und ich mich immer wieder dabei ertappe sofort in solche „Konzerte" einzusteigen und lauthals mein Bestes dazu zu geben. Natürlich übertreibe ich es zeitweise und investiere Unmengen von Zeit und Geld in die Haltung der Hyazintharas. Aber rechtfertigen diese wunderbaren Geschöpfe dies nicht? Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen:

Ich lebe meinen Traum!

Das macht mich glücklich! Ich möchte hier nicht meine gesamte Lebensgeschichte erzählen, dennoch muss ich etwas in die Zeit meiner Kindheit zurückgreifen. Das Interesse an Sittichen und Papageien begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit. Ich komme gebürtig aus der ehemaligen DDR und dort war ja bekanntlich alles „grau in grau". Wahrscheinlich deshalb die Faszination an diesen bunten Farbklecksen. Nein, Spaß beiseite. Ich bekam meinen ersten Wellensittich im Alter von 6 Jahren. Nach längerem Nerven konnte ich meinen Papa dazu erweichen, mir einen Welli zu kaufen! Er war blau und hieß natürlich Bubi. Hinzu kam die grüne Susi…! Ab diesem Zeitpunkt lebten mit kurzen Unterbrechungen immer Vögel bei uns. Es folgten Nymphensittiche, Agaporniden und noch mehr Wellensittiche.

Irgendwann entschloss ich mich, mir einen Papageien zuzulegen. Dabei handelte es sich um eine Blaustirnamazone. Sie erhielt den Namen „Gonzo". Ich bekam Sie im Alter von 8 Wochen und übernahm damals die restliche Handaufzucht bis zur Selbstständigkeit selbst. Leider entflog mir dieser Papagei durch ein dummes Missgeschick und ich verbrachte eine geschlagene Woche damit, durch meinen Wohnort zu laufen und meinen Vogel zu suchen. In dieser Nacht gab es ein starkes Unwetter und das begünstigte meine Suche nach „Gonzo" natürlich nicht. Nichts half, kein Rufen, kein Pfeifen und auch Anzeigen, Radioaufrufe oder Aushänge brachten nicht den erhofften Erfolg. Ich war am Boden zerstört, denn mit diesem Vogel verband mich eine private, sehr emotionale Geschichte. 

Als einige Zeit verstrichen war, entschloss ich mich dann doch wieder dazu mir einen Papagei anzuschaffen. Voraussetzung dafür war aber: „Ich möchte ihn im Baum erkennen können"! Denn Amazonen neigen ja bekanntlich dazu, überwiegend grünes Gefieder zu haben. Die Entscheidung stand also fest! Es sollte ein Gelbbrustara sein. Ich fuhr zu einem Züchter nach Bremen und holte dort „Oskar", ein fünf Monate altes Gelbbrustara Männchen, ab. Da ich eine reine Innenhaltung für Ihn ausschloss, wurde ein Schutzhaus mit angrenzender Aussenvoliere gebaut. Und da diese für einen einzigen Ara viel zu groß und zu einsam war, gesellte sich bald „Uschi" dazu. Nach weiteren Um- und Anbaumaßnahmen zogen „Gonzo" und „Frieda", zwei Grünflügelaras, bei mir ein. Und mein Leben war perfekt. Ich genoss es, die Vögel zu beobachten und möglichst viel Zeit mit Ihnen zu verbringen. Allerdings legte ich von Anfang an auch sehr viel Wert darauf, meine Tiere zu trainieren, um Sie auch im Ernstfall „händeln" zu können. Ich trainierte unter anderen mit Ihnen das Kommando bei Zuruf auf die Hand zu fliegen und auch das „Auf und Ab" Kommando. Ich übte aber auch regelmäßig die Einnahme von Leckerlies mit Hilfe eines Löffels, um für eine Medikamentengabe gewappnet zu sein.

So verging einige Zeit und meine Familie bekam weiteren Zuwachs. Dieses Mal aber ohne Flügel, also in menschlicher Form. Meine Tochter und die Zwillinge wurden geboren. Ich war „gut" eingespannt, aber dennoch fehlten mir nach vier Jahren Elternzeit die sozialen Kontakte. Mich immer nur mit Müttern über die Fortschritte in der Entwicklung ihrer Sprösslinge auszutauschen (da wurden die absurdesten Dinge besprochen...) forderte mich nicht wirklich ausreichend. Ich wollte wieder ins Berufsleben einsteigen und da fiel mir Dr. Matthias Reinschmidt ein. Ich kannte Ihn bereits seit längerem, denn wir sind im gleichen Fastnachtverein und wie ich, teilt ja auch er diese Sympathie zu den Papageien. Ich schrieb Ihm eine Email und hoffte, dass er mir vielleicht mit einem Job weiter helfen könnte. Ich bekam prompt eine Antwort und er riet mir, mich bei einem Freund von Ihm vorzustellen. Dieser würde gerade wieder eine Praxis in Achern eröffnen und wäre auf der Suche nach einer Aushilfe. Es handelte sich um Dr. Marcellus Bürkle. Er wurde von Matthias Reinschmidt vorgewarnt. Ich glaube der Wortlaut war ungefähr so: „Ich habe hier eine Frau, die sucht einen Job und ist Papageienhalterin. Erschrecke Dich aber nicht, sie ist etwas anders. Sie hat einen Irokesenschnitt…..". So, oder so ähnlich wurde es später zumindest erzählt. Sei es drum, ich bekam den Job und freute mich tierisch. Denn Papageien waren ja bis dahin schon immer ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Aber das war ja noch ausbaufähig, wie sich bald herausstellte.

Die großen Blauen waren es, denen schon immer meine Aufmerksamkeit galt. Ich hatte bis zu meinem Job bei Dr. Bürkle schon einige Erfahrungen in der Handaufzucht von Aras sammeln dürfen, nicht aber mit Hyazintharas. Es ergab sich, dass ich für einen Kunden unserer Praxis die Handaufzuchten übernehmen konnte. Es war mir klar, wie aufwendig und anstrengend die Zeit der Aufzucht sein würde, dennoch wollte ich dieses Angebot nicht ausschlagen. Ich wollte unbedingt Hyazintharas aufwachsen sehen, und konnte die Zeit bis zum Schlupf der Küken fast nicht erwarten. Man kann es annähernd mit der Vorfreude auf Weihnachten bei einem Kind vergleichen. Und dann kamen sie. Drei an der Zahl. Anfangs hieß das: alle zwei Stunden füttern, auch nachts! Ich bin, nicht nur was die Handaufzucht betrifft, wahnsinnig akribisch. Zumindest wird mir das nachgesagt. Das liegt wohl in meinem Naturell?

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Ich führe Entwicklungsbücher, notiere jeden Morgen die Gewichte, ebenso ob der Kropf entleert ist oder nicht und auch den Kotabsatz jedes einzelnen Küken. Das ist meiner Meinung nach sehr wichtig, denn anhand dieser Aufzeichnungen kann man im Falle einer anstehenden Behandlung schon sehr früh erkennen, wann die Probleme begonnen haben. Denn diese gehen mit der Handaufzucht von Hyazihtharas leider immer wieder einher. Es ist unablässig absolut „sauber" zu arbeiten. Diese Tiere sind sehr anfällig, für jegliche Bakterien und Keime.

Es war mir zum damaligen Zeitpunkt nicht klar, dass man zu jedem Tier eine derart emotionale Bindung aufbaut. Besonders zu denen, um deren Leben man kämpfen muss. Ich musste erfahren, wie es ist, wenn man monatelang um das Leben eines Aras kämpft und er am Ende doch sein Leben verliert. Das ist jedes Mal schmerzlich und für mich nur sehr schwer auszuhalten und zu verarbeiten.

Der Älteste von den dreien begann im Alter von zwölf Wochen plötzlich nicht mehr zu verdauen. Ich spülte Ihn mindestens einmal am Tag mittels einer flexiblen Ernährungssonde, änderte die Rezeptur des Futterbreis und behandelte mit verschiedenen Medikamenten. Nichts half, er verlor immer weiter an Gewicht bis er am Ende an Organversagen starb. Ich war am Abend seines Todes auf dem Weg in die Praxis, um ein Medikament für ihn zu holen. Als ich nach dreißig Minuten wieder nach Hause kam, lag der Hyazinthara tot in seiner Box. Und das war das Schlimmste für mich! Daß ich im Moment des Sterbens nicht bei Ihm war, Ihn halten, streicheln und mit Ihm reden konnte!

Von Isabell Ziermann 

Mit dieser Geschichte geht es in der nächsten Druckausgabe weiter...