Seminar TA Hermann Kempf im Zoo Augsburg 14.01.2017

Thema: Haltung von Sittichen und Papageien

Donnerschlag, mit welcher Leichtfüßigkeit dieser sympathische, vogelkundige Tierarzt Hermann Kempf durch die Vogel/ Papageienwelt fliegt, und stets den Bogen anschaulich zur Sichtweise Vogel/Papagei Natur gegenüber Vogel /Papagei in Menschenobhut schlägt. 

Wir sind durch die Themen geflogen, ein Riesenspektrum wurde abgedeckt und irgendwie bleibt ein:

Wau, da hab ich wieder was dazugelernt hängen. Hammer! Danke Herr Hermann Kempf!!!

Nur ein paar Infos/ Auszüge möchte ich nennen:

Wußtest Du, dass ein Vogel/Papagei als Nachzucht gezüchtet doch ein „Wildtier“ ist „innerlich“, und auch so noch tickt bzw wie ein Vogel/ Papagei in der Natur tickt? 

Wußtest du, dass ein Vogel/Papagei, besonders, wenn er allein gehalten wird, deshalb pfeift/ schreit/ spricht= Fremdsprache erlernt, weil er Kontakt aufnehmen will?

-Er ist doch ein Schwarmtier und ohne Schwarm ist er ein Beutetier und verloren. 

Ein allein gehaltener Wellensittich reagiert deshalb auf den Spiegel oder das Glöckchen,weil er sich darin spiegelt und er denkt, er sieht einen Artgenossen?-Der Mensch denkt dann aber, dass wäre das neue Lieblingsspielzeug von seinem Wellensittich! 

Wußtest Du, dass alle Vögel/ Papageien im Schwarm sich eigentlich zu jeder neuen Brutphase innerhalb des Schwarms einen neuen Partner wählen können, dh nicht immer mit ein und demselben Partner lebenslang beisammen sind/ bleiben?

-Dann bist du nun genauso verdutzt wie ich in dem Moment, als ich es hörte!

Ich dachte, bei Graupapageien wäre es so und nur bei Kakadus nicht! 

Wußtest Du,dass ein Vogel/Papagei seitlich Kontakt aufnimmt und nicht von vorn? 

Wußtest Du,dass ein Vogel/Papagei in Haltung zuviel Zeit übrig hat, er wäre ja 80% in der Natur mit Futtersuche beschäftigt, und deshalb die Gefahr groß ist zB vom ewigen putzen ein Rupfer zu werden?-Oder wie Hermann Kempf es sagte, Zitat:

„Kämm dich mal andauernd, wenn du zuviel Zeit hast, dann ist auch irgendwann kein Haar mehr da und du hast eine Glatze!“ 

Lach...den nächsten Kerl mit Glatze muß ich echt mal fragen, ob er zuviel Zeit zum kämmen hatte, ich konnte mir manchesmal das Lachen nicht verkneifen! 

Wichtig ist also im Punkto Ernährung den Vogel/ Papagei mit Futtersuche am Tag möglichst 80% zu beschäftigen wie in der Natur, und nicht durch vollen Körnernapf mit fettreichem/ kalorienreichem Körnerfutter / Leckerstangen in  null komma nix „vollzustopfen/ zu übersättigen“(=Achtung Gefahr Überfettung der Leber!).

Beschäftigung meint mit kalorienarmer Grünfuttersuche/ Suche nach natürlichen Früchten ( =z.B Kräuter, Erbsen, Gurke, Kopfsalat etc) .

Achtung: Natürliche Früchte sind KEIN Obst. 

Nur mal so am Rande: ein Apfel entspricht für den Vogel/Papagei ein Glas Coco Cola, es enthält lediglich mehr Vitamin C!

Da schaust, gell?-Wieder was hinzugelernt! 

TA Hermann Kempf hat mir die „fälschliche Menschensichtweise über manche Verhaltensweisen eines Vogels/Papageis und fälschliches Menschenverhalten demzufolge“ nahegebracht, und den Vogel/ Papagei aus der Vogel/ Papageiensichtweise anschaulich vorgestellt/ dargestellt. 

Eine wichtige Info bezüglich Artenschutz CITES bei den Graupapageien möchte ich aber noch weitergeben: 

Seit Januar 2017 sind die Graupapageien ins Artenschutzgesetz 1 Anhang A aufgenommen worden, wegen der zu geringen Anzahl wild/ freilebender Graupapageien!

Zuvor waren sie im Artenschutzgesetz 2 Anhang B! 

Wenn ein Graupapagei rechtmäßig als Nachzucht gekauft wurde (Nachzuchtbescheinigung + Kaufvertrag vorhanden) und beim Landratsamt =untere Landschaftsbehörde/ untere Naturschutzbehörde gemeldet ist, ist alles soweit gut. 

D.h, wenn man dann den Papagei weitergibt an eine andere Person (durch Verkauf, Schenkung, Erbe) dann wendet man sich zum ausstellen der Citesbescheinigung ans Landratsamt =untere Landschaftsbehörde/ untere Naturschutzbehörde.

Diese stellen einem diese dann problemlos aus. 

Problematischer wird es, wenn ein Graupapagei bisher nicht gekennzeichnet ist / wurde  bzw bisher nicht gemeldet ist:

Hier ist es fürs Landratsamt in der Regel einfacher, man geht zum vogelkundigen Tierarzt, schildert diesem die Situation, läßt den Graupapagei kennzeichnen,

geht dann zum Landratsamt mit der Kennzeichnung/ den Papieren und meldet ihn an, wie der Graupapagei zu einem kam/ legt Dokumente zB  Schenkungspapiere / Testament , Infos,  Tierarztbefunde etx – was man hat- vor.

Der Graupapagei wird dann in der Regel „beschlagnahmt vom Landratsamt“ und als DULDUNG beim gemeldeten Halter gelassen. 

Allerdings bestimmt das Landratsamt dann stets mit bei Weitergabe/ Übertragung an anderen Halter (zB bei Tod/ Erbe). 

Eine Beschlagnahmung und Wegnahme durch einen Amtstierarzt samt Untersuchung und Unterbringung in einem Tierheim kostet nämlich dem Landratsamt eine Menge Geld, was dieses erklären/ begründen muß, denn es sind Steuergelder! 

Allerdings gibt es Regionen/ Ämter, die es einem nicht so einfach machen. Fragt da bitte Euren vorgelkundigen Tierarzt! 

In diesem Sinne ein Seminar mit ganz vielen Infos.

Schade, dass so wenig Teilnehmer da waren, ihr habt einen top Tierarzt verpasst!

Lg Anke Gilleßen